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Der Aspangbahnhof – ein Stück Wiener Geschichte

Der Aspangbahnhof prägte über Jahrzehnte das Stadtbild des 3. Wiener Gemeindebezirks. 1881 eröffnet, war er Ausgangspunkt der Aspangbahn und verband Wien mit Regionen südlich der Stadt. Seine Geschichte reicht jedoch weit über seine Bedeutung als Verkehrsknotenpunkt hinaus. Während der NS-Zeit wurde der Bahnhof zu einem Ort der Verfolgung und Deportation. Heute erinnert am ehemaligen Bahnhofsgelände nur noch wenig an das einstige Bauwerk und seine wechselvolle Geschichte.

Aspangbahnhof, um 1905
Quelle: Wien Museum, Inv.-Nr. HMW 183377, veröffentlicht auf Wien Geschichte
Wiki, Lizenz: CC BY-NC-ND 4.0.

Gedenken an die Novemberpogrome 1938 und die Opfer der Shoah am Wiener Aspangbahnhof

Erinnern heißt Verantwortung übernehmen – für die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft.

Der 9. November ist ein Tag des Erinnerns und Mahnens. Er steht für das Gedenken an die Novemberpogrome des Jahres 1938, die einen erschütternden Höhepunkt der nationalsozialistischen Gewalt gegen Jüd:innen markierten.

Mit den Gedenkveranstaltungen am ehemaligen Wiener Aspangbahnhof erinnern wir an die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung. Zugleich setzen wir ein sichtbares Zeichen gegen Antisemitismus, Rassismus, Antiziganismus, Ausgrenzung und jede Form von Menschenfeindlichkeit.

Die Novemberpogrome 1938 – Gewalt, Zerstörung und Verfolgung

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 und an den darauffolgenden Tagen kam es im gesamten nationalsozialistischen Herrschaftsgebiet zu organisierten Gewaltexzessen gegen die jüdische Bevölkerung.

Synagogen und jüdische Gebetsräume wurden in Brand gesetzt, Geschäfte geplündert, Wohnungen verwüstet und jüdische Einrichtungen zerstört. Jüd:innen wurden gedemütigt, misshandelt, ermordet und zu Tausenden verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt.

Auch in Wien hinterließen die Novemberpogrome eine Spur der Verwüstung. Zahlreiche Synagogen und Gebetsräume wurden zerstört, darunter der große Leopoldstädter Tempel. Die Gewalt geschah öffentlich – vor den Augen der Bevölkerung und vielfach unter deren Zustimmung oder stillschweigender Duldung.

Die Novemberpogrome bildeten eine entscheidende Zäsur in der systematischen Entrechtung, Enteignung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung. Die nationalsozialistische Verfolgungspolitik mündete schließlich in der Shoah, der systematischen Ermordung von rund sechs Millionen europäischen Jüdinnen und Juden.

Der Wiener Aspangbahnhof – ein Ort der Deportation und des Erinnerns

Der ehemalige Aspangbahnhof im dritten Wiener Gemeindebezirk ist untrennbar mit der Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung verbunden.

Zwischen 1939 und 1942 wurden von diesem Bahnhof aus 47.035 Jüd:innen in 47 Transporten deportiert. Ihre Verschleppung führte sie in Ghettos sowie Konzentrations- und Vernichtungslager. Nur 1.073 der vom Aspangbahnhof deportierten Menschen überlebten.

Insgesamt wurden zwischen 1939 und 1945 48.953 Jüd:innen aus Wien deportiert.

Die Deportationszüge vom Aspangbahnhof führten unter anderem in das besetzte Polen, nach Łódź, Riga, Minsk und Maly Trostinec sowie nach Theresienstadt und Auschwitz.

Hinter jeder dieser Zahlen steht ein Mensch – mit einem Namen, einer Familie, einer Lebensgeschichte, Hoffnungen und Träumen.

Menschen wurden aus ihren Wohnungen vertrieben, ihres Eigentums beraubt, von ihren Angehörigen getrennt und aus ihrem bisherigen Leben gerissen. Für die überwältigende Mehrheit bedeutete die Deportation den Tod.

Diese Verbrechen geschahen mitten in Wien. Die Deportationen fanden nicht fernab der Öffentlichkeit statt, sondern waren Teil einer systematisch organisierten Verfolgung, die auch vor den Augen der Bevölkerung vollzogen wurde.

Das Mahnmal Aspangbahnhof – ein sichtbares Zeichen der Erinnerung

Heute befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Bahnhofs der Leon-Zelman-Park mit dem Mahnmal Aspangbahnhof.

Das Mahnmal erinnert an die zehntausenden Jüdinnen und Juden, die von diesem Ort aus deportiert wurden. Es steht für das Gedenken an die Opfer und macht zugleich deutlich, welche Verantwortung aus der Geschichte erwächst.

Der ehemalige Aspangbahnhof ist damit nicht nur ein historischer Ort, sondern auch ein Ort der Erinnerung, der Begegnung und der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.

Er mahnt uns, die Schicksale der Opfer nicht zu vergessen und das Wissen um die nationalsozialistischen Verbrechen an kommende Generationen weiterzugeben.

Gemeinsam gedenken – ein Zeichen gegen das Vergessen

Die Gedenkveranstaltungen am ehemaligen Wiener Aspangbahnhof bieten Raum für Erinnerung, Begegnung und gemeinsames Innehalten.

Im Mittelpunkt stehen die Menschen, die während der nationalsozialistischen Herrschaft aufgrund ihrer jüdischen Herkunft verfolgt, entrechtet, deportiert und ermordet wurden.

Ihre Namen, ihre Lebensgeschichten und ihre Schicksale dürfen nicht in Vergessenheit geraten.

Durch Gedenkworte, historische Beiträge, persönliche Erinnerungen und gemeinsames Gedenken wird die Erinnerung an die Opfer lebendig gehalten.

Gleichzeitig setzen die Veranstaltungen ein klares Zeichen gegen Antisemitismus, Rassismus und jede Form von Menschenfeindlichkeit.

Das gemeinsame Gedenken ist mehr als ein Rückblick auf die Vergangenheit. Es ist Ausdruck unserer historischen Verantwortung und ein Bekenntnis zu Demokratie, Menschenwürde, Solidarität und einem friedlichen Zusammenleben.

„Nie wieder“ ist ein steter Auftrag

Die Erinnerung an die Novemberpogrome 1938 und an die Deportationen vom Wiener Aspangbahnhof führt uns eindringlich vor Augen, wohin Antisemitismus, Hass, Hetze, Ausgrenzung und das Wegsehen einer Gesellschaft führen können.

Gerade deshalb ist es unsere gemeinsame Verantwortung, die Erinnerung wachzuhalten, aus der Geschichte zu lernen und jeder Form von Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit entschieden entgegenzutreten.

Erinnerung bedeutet nicht nur, der Vergangenheit zu gedenken. Sie bedeutet auch, Verantwortung in der Gegenwart zu übernehmen – durch Aufmerksamkeit, Zivilcourage, Solidarität und den entschlossenen Einsatz für die Würde jedes Menschen.

„Nie wieder“ soll keine leere Floskel sein. Es ist ein steter Auftrag, der uns alle betrifft – heute wie morgen.

Mit den Gedenkveranstaltungen am Wiener Aspangbahnhof setzen wir gemeinsam ein Zeichen des Erinnerns, des Respekts und der Verantwortung.

Wir erinnern an die Opfer.
Wir bewahren ihre Geschichten.
Wir übernehmen Verantwortung für die Zukunft.